Alleine bleiben

So gerne wir unsere Hunde um uns scharen, jeder Hund muss auch lernen, eine gewisse Zeit alleine zu bleiben.

Sie werden nicht in allen Geschäften toleriert, nicht bei allen Einladungen, wir können sie nicht mit in Behörden nehmen und auch nicht mit zum Arzt.

Kurzum, es führt kein Weg daran vorbei.

Der Welpe, den Sie zu sich nehmen, kennt dies aber noch nicht. Ganz im Gegenteil, er wurde gerade aus seinem Umfeld herausgerissen und muss sich an die neue Umgebung bei Ihnen gewöhnen. Deshalb tun Sie gut daran, ihm erst einmal für mindestens eine Woche die Sicherheit Ihrer permanenten Anwesenheit zu geben.

Instinktiv hat er eine Urangst vor dem verlassen werden, denn er weiss, dass er alleine nicht überleben könnte.

Wenn ihm sein neues Umfeld, also Ihr Zuhause, vertraut geworden ist, er dort seine Plätze kennt und weiss, dass er hier sicher ist, können Sie beginnen, ihm in kleinen Schritten beizubringen, dass Sie zwar immer für ihn sorgen, aber nicht immer präsent sein können.

Wählen Sie einen Moment, indem Sie als Hauptbezugsperson mit ihm alleine sind, er aber satt ist, genug gespielt hat, alle seine Verrichtungen erledigt hat und eigentlich schlafen möchte.

Gehen Sie ohne große Abschiedszeremonie, aber deutlich hörbar zur Haustür raus, machen Sie sie zu,  zählen Sie draußen auf 60 und kommen Sie wieder rein. Wenn der Welpe nicht gemeckert hat, sagen Sie eher beiläufig, dass das in Ordnung war. Wenn er geheult oder gejammert hat, übergehen Sie es und üben Sie bei der nächsten Gelegenheit wieder.

Er muss lernen, dass die Trennung von Ihnen zum normalen Alltag gehört und nicht besonders belohnt wird. Die Trennungszeit muss für den Welpen stressfrei werden und das können Sie mit täglichem Üben in kleinen Zeiteinheiten erreichen. Wenn der kleine Hund das Prinzip begriffen hat, können Sie die Zeit schnell steigern, 10 Min., dann Einkauf im Supermarkt, usw. Beim Welpen sollte wegen des Füllungsvermögens von Darm und Blase der Zeitraum von zwei Stunden nicht überschritten werden. Er hat sich schon an einen bestimmten Tag – Nacht – Rhythmus gewöhnt und selbst wenn es nachts schon über sechs bis sieben Stunden gut geht, heisst das noch nicht, dass es auch tagsüber so sein muss.

Sollte er rückfällig werden, d.h. Sie hören ihn plötzlich heulen, wenn Sie zurückkommen, dann gehen Sie bitte wieder auf die kürzeste Zeiteinheit zurück und steigern Sie erneut.

Ein Hund, der das Alleine sein nicht im frühen Alter lernt, wird später durch Heulen, ständiges Bellen, Unsauberkeit oder Zerstörungswut auffällig. Das ist aber nur seine Ausdruck von Panik, denn er fühlt sich alleine nicht sicher sondern verlassen und hat Angst, für die er ein Ventil sucht.

Mit dem System des schrittweise Übens haben schon viele Welpenbesitzer Erfolg gehabt und oft sind sie erstaunt, wie schnell es geht. Je mehr Vertrauen aufgebaut werden kann, umso klagloser akzeptiert der Hund auch, dass er mal nicht mitdarf, auch wenn er es gerne wollte. Allerdings sollten wir es als Besitzer nicht übertreiben und uns immer überlegen, wann wir den Hund mitnehmen können.

 U. Stickel