Der Zweithund

Viele Menschen, die mit einem Hund gut zurechtkommen, wünschen sich irgendwann den Zweithund zur Vervollständigung des Rudels.

Seie es, dass man einen hundlichen Freund für seinen Ersthund möchte, seie es, dass in einer Familienstruktur zwei Leute an der Beschäftigung mit Hunden Freude haben oder auch, dass der erste Hund alt wird und der Nachfolger schon überlappend gesucht wird.

Eine solche – wie auch immer geartete  -  Kombination kann wunderbar und bereichernd für alle Teile sein, wenn bestimmte Regeln beachtet werden.

Der Ersthund muss auf jeden Fall noch fit genug sein, um sich mit einem Welpen auseinander zu setzen, denn der Welpe ist fordernd und wird ihn zu Spiel und Aktivität animieren.

Falls der erste Hund ein Gebrechen hat, ihm die Knochen weh tun, er eigentlich nur seine Ruhe möchte, sollte man ihm keinen jungen Hund zur Seite stellen. Dann hat er es verdient, sein Leben in Ruhe zu Ende zu leben.

Ist er aber noch unternehmungslustig und spielfreudig, kann der Welpe ein richtiger Jungbrunnen für ihn sein.

Wenn der Zweithund das gleiche Geschlecht wie der Ersthund haben soll, ist es ratsam, auf einen Altersunterschied von 6-7 Jahren zu achten. Bis der Welpe dann erwachsen ist und seinen Rangordnungsplatz wissen will, ist der erste Hund schon so weit, Stückchen für Stückchen seine Vormachtstellung abzugeben. Dann geht dieser Prozess ohne große Scherereien und oft ziemlich unbemerkt vonstatten.

Soll der zweite Hund dem anderen Geschlecht entstammen, ist der Altersunterschied nicht so wesentlich, aber die Zeit der Läufigkeit muss natürlich überbrückt werden können. Die Hunde werden recht früh geschlechtsreif und ab dem Alter von etwa 8 Monaten kann ein Unfall durchaus passieren. In diesem Fall muss gewährleistet sein, dass es Möglichkeiten gibt, die Hunde während der kritischen Tage konsequent zu trennen.

Bitte verlassen Sie sich nicht darauf, dass ein Pärchen so geschwisterlich zusammen lebt, dass es nicht zu einem ungewollten Deckakt kommt.

Natürlich werden auch die Spaziergänge durch zwei Hunde völlig anders. Am Anfang kann und soll der Welpe noch nicht so viel mitlaufen, dafür muss er seine eigenen Erfahrungen mit der Umwelt machen dürfen. Der Ersthund will natürlich auch wissen, dass ihm noch das gleiche Interesse gewidmet wird wie zuvor. Also zweigeteilte Spaziergänge.

Dann kommt die Zeit, in der beide gleich fit sind und der Mensch geht mit einem Rudel spazieren, dass sich gegenüber allem und jedem sehr stark fühlt. Deshalb ist Aufmerksamkeit gefordert.

Und danach kommt die Zeit, in der der alte Hund in Ruhe „Hundezeitung“ lesen will und keine Lust mehr auf große Rennereien hat, während der junge Hund im Vollbesitz seiner Kräfte ist und was erleben will. Deshalb wieder zweigeteilte Spaziergänge.

Wenn als Zweithund ein erwachsener Hund ins Haus kommen soll, muss diese Kombination natürlich besonders sorgfältig geprüft werden. Auch zwischen zwei Hunden, die sich auf neutralem Boden wunderbar verstehen, kann es zuhause zu Eifersüchteleien kommen. Schließlich wurde ja einer gerade entthront und muss jetzt mit einem Hund teilen, der auch schon weiss, was er will.

Zuhause werden beide Hunde natürlich zusammen leben, zur gleichen Zeit fressen und sich überhaupt einen gemeinsamen Rhythmus angewöhnen.

Bei den „Extras“ im Hundeleben gilt eine andere Regel. Seie es Ausbildung oder Ausflug, wenn die Hunde sich eine Bezugsperson teilen, müssen sie warten lernen. Wenn zwei oder gar mehrere Personen sich um die Hunde kümmern, wird jeder Hund auch seinen Lieblingschef bekommen.

Im Gegenzug dazu muss auch der Mensch lernen zu teilen, einen Hund auch mal warten  lassen oder ihn nicht mitnehmen und wenn mehrere sich um die Hunde kümmern, auch zu akzeptieren, dass einer der beiden sich nicht so sehr zu ihm, sondern zu seinem Partner hingezogen fühlt.

Der Zweithund ändert also das Leben für alle, ausser für einen Welpen, der diese Struktur als gegeben hinnimmt, aber sehr trauern wird, wenn der ältere Freund irgend wann einmal fehlt.

Es gibt auch immer wieder die Überlegung, sich zwei Welpen gleichzeitig anzuschaffen.

Das ist eine Sache, die meiner Meinung nach ein Hundeführer alleine nicht schaffen kann.

Mindestens einer der Hunde wird sich nicht seinen Fähigkeiten entsprechend entwickeln.

Selbst wenn die Welpen in einem Haushalt von zwei Personen betreut werden, die sich die Hunde konsequent aufteilen, ist es noch schwierig genug.

Gut überlegt ist es eine schöne und bereichernde Sache, sein Leben mit zwei oder gar mehreren Hunden zu verbringen, aber sie will durchdacht werden und muss realisierbar sein.

 U. Stickel