Die unterschätzte Gefahr - Vergiftungen durch Lebensmittel

Es gibt Nahrungsmittel, die wir Menschen fast täglich auf dem Speiseplan haben, die für uns gesund und bekömmlich sind, die aber bei unseren Hunden zu schweren, selbst tödlichen Vergiftungen führen können.

Dass Schokolade für Hunde tabu sein sollte, ist bekannt. Der giftige Wirkstoff ist Theobromin und je dunkler die Schokolade, desto höher der Theobromingehalt. Vergiftungserscheinungen wie Zittern, Atembeschwerden, Herzrhythmusstörungen zeigen sich erst nach Stunden, da das Theobromin sehr langsam gelöst wird.

Zwiebeln und ihre Verwandten in jeder Form führen durch ihre Schwefelverbindungen (bei denen uns nur die Tränen kommen) beim Hund zur Hämolyse (Auflösung der roten Blutkörperchen). Symptome zeigen sich erst nach zwei bis drei Tagen. Hierzu gehören blasse Schleimhäute, Erbrechen, Durchfall, beschleunigte Herz- und Atemfrequenz.

Avocados enthalten Persin, eine Substanz, die für den Menschen ungefährlich ist, aber bei vielen Tierarten eine irreparable Schädigung des Herzmuskels verursacht. Die Symptome sind Husten, Atemnot, beschleunigte Herzfrequenz, Wassereinlagerungen an Hals und Bauch. Hier ist sehr schnelles Handeln angesagt.

Beim Steinobst sind die blausäurehaltigen Steine gefährlich, wenn sie zerbissen werden.

Die Symptome sind Übelkeit, Speicheln, Herzklopfen, Atembeschwerden.

Natürlich können die meist scharfkantigen Steine auch unzerbissen  zu Verletzungen des Magen-Darm-Traktes führen.

Walnüsse, geknackt und die braune Schale entfernt, sind kein Problem. Hochgiftig sind allerdings Walnüsse, die noch die grüne Schale tragen, da die Innenseite der grünen Schale Strychnin enthält. Vor allem Welpen und Junghunde, die ja bekanntlich alles ins Maul nehmen und darauf herum kauen, sind in höchstem Maße gefährdet. Es wurden Todesfälle beschrieben.

Auch Kernobst sollten die Hunde nur in Maßen fressen, hier ist die Gefahr aber nicht so groß. Allerdings sind 10 Äpfel auf einem Spaziergang auch für einen ausgewachsenen Hovawart etwas viel.

Sehr gefährlich wiederum sind Weintrauben und noch gefährlicher, weil konzentrierter Rosinen. Welche Inhaltsstoffe gefährlich sind, ist noch nicht bekannt, sie führen aber innerhalb von 24 Stunden zu Nierenversagen. Frühe Symptome sind Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen.

Gewarnt wird auch vor rohen Bohnen und grünen oder gekeimten Kartoffeln.

Gefährlich für Kinder und Hunde ist das Zerkauen und Verschlucken von Zigaretten und Nikotinentwöhnungspflastern.

An dieser Stelle sei auch darauf hingewiesen, dass humanmedizinische Medikamente nie eins zu eins auf Hunde übertragbar sind. Vor allem schmerzlindernde Mittel, die bei Menschen teilweise schon seit Jahrzehnten mit gutem Erfolg angewendet werden, können bei Hunden schwere Schäden des Verdauungstraktes bewirken. Auch Mittel gegen Herzbeschwerden und Hypothyreose stehen hier im Blickpunkt. Die Dosierung kann völlig anders als beim Menschen ratsam und sinnvoll sein. Bitte sprechen Sie unbedingt Ihren Tierarzt an.

Krankmachende oder gar letale Mengenangaben sind schwer zu machen, da man immer das Alter, das Gewicht und den allgemeinen Zustand des Hundes im Zusammenhang sehen muss.

Bitte nehmen Sie bei Verdacht auf eine Vergiftung sofort Kontakt zu Ihrem Tierarzt auf.

Nehmen Sie Reste des verdächtigen Stoffes oder Erbrochenes mit. Handeln Sie schnell.

Giftnotruf:    1 92 40

Speziell mit Tiervergiftungen befasst sich:

Giftinformationszentrale in Mainz

Tel.: 06131 – 19240 (Notfälle)

Tel.: 06131 – 232466 (nicht akute Fälle, Beratung)

www.giftinfo.uni.mainz.de

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung des BMT (Bund gegen Missbrauch der Tiere) aus einem Interview mit Herrn Dr. Uwe Wagner, erschienen in der Vereinszeitschrift, zusammengestellt.

 U. Stickel

BMT, Victor-Scheffel-Str. 15, 80803 München, Tel.: 089 – 383952-23

Internet: http://www.bmt-tierschutz.de